Lex Barker – Der Abenteurer
Die Vor-Hollywood-Zeit
Alexander Chrichlow Barker jr. Wurde am 8. Mai 1919 als Sohn eines wohlhabenden Industriellen geboren. Er genoss eine gehobene Erziehung und studierte auch 2 Jahre in Princeton. Schon bald entwickelte sich in dem jungen, sportlichen Mann aber der Wunsch Schauspieler zu werden und er ging – entgegen des Willens seines Vaters – vom College ab und tourte mit Provinzbühnen durch die Landen. Einem ersten Vertrag in Hollywood kam der Zweite Weltkrieg dazwischen. 1941 trat er freiwillig in die Armee ein und besuchte einen Offfizierslehrgang, den er mit Auszeichnung abschloss. Zunächst war er als Oberleutnant Adjutant des berühmten General Clark, kam aber 1943 nach Nordafrika um als Captain in einem Infanterieregiment als Kompaniekommandant zu dienen. Eineinhalb Jahre lang nahm er an Kämpfen in Afrika und Sizilien teil und erlitt dabei zwei schwere Verwundungen (bis zum Lebensende trug er nach einem Streifschuss eine Silberplatte im Schädel). 1945, verletzungsbedingt entlassen, verließ er die Armee als jüngster Major der gesamten amerikanischen Infanterie. Während seiner Militärzeit hatten Lex und seine Liebe Constance Thurlow geheiratet. 1943 kam Tochter Lynne auf die Welt.
Der langsame Aufstieg
Schon sein erster Auftritt nimmt seine nächsten Filmrollen voraus. Es handelt sich um Klein- und Kleinstauftritte. Lex wechselte öfter das Studio und verschlechterte sich finanziell eher. 1947 kam noch Sohn Alexander zur Welt und der junge Familienvater konnte die Mäuler seiner Kinder mehr schlecht als recht stopfen. Immerhin waren unter den 11 "Gastauftritten", die er von 1945 bis 1948 absolvierte große Filme mit großen Stars. So war er Partner von Joseph Cotten in "Die Farmerstochter", von Robert Mitchum in "Im Kreuzfeuer", Cary Grant in "Nur meiner Frau zuliebe" und Randolph Scott in "Der Schrecken von Texas". Diese letzten vier Filme markieren sicher seine besten und größten Auftritte. Seine Nennung im Vorspann pendelte sich so um den achten bis zehnten Platz ein - ausgesprochene Nebenrollen eben. Doch Lex konnte Kontakte knüpfen und bewegte sich auch relativ elegant in den Schauspielerkreisen. Bekanntschaften mit Gary Cooper und Kirk Douglas sind aus dieser Zeit verbürgt.
Tarzan
1948 bewarb er sich dann darum – wie Hunderte andere Schauspieler und Sportler auch - Johnny Weißmullers Tarzan-Nachfolger zu werden. Produzent Lee Sholem traf eine gute Wahl mit dem neuen 1, 93 – Meter-Mann, denn die Fans akzeptierten ihn voll als Johnnys Erben. (Ein ähnlich schweres, doch letztlich glückliches Erbe trat Roger Moore als Sean Connerys Bond-Nachfolger an.) Kritiker bemerkten, dass mit Barker und seinem familiären Hintergrund "Gesellschaftsleben" in den Dschungel kam, was der literarischen Vorlage ja durchaus entspricht. Die Regenbogenpresse dichtete dem Adonis mit jeder seiner Janes (die Rolle wurde eigenartigerweise in jedem Film von einer anderen Darstellerin verkörpert) eine Affäre an. Tatsache ist, dass Lex, der bereits zehnte Tarzan-Darsteller, der Serie neuen Schwung brachte. In nahezu ununterbrochener Reihenfolge drehte er fünf dieser erfolgreichen Abenteuerstreifen. Seine Tarzan-Filme waren noch mit allen liebgewonnen Klischees ausgestattet. Familiäre Atmosphäre im Baumhaus, in s/w gehaltene Kamera, mit etwas Erotik und Sadismus angereicherte Drehbücher und einem Tarzan, der doch lieber jodelt als Vorträge hält. Unter seinem Nachfolger Gordon Scott wurden viele dieser Klischees – ja oft sogar der Tarzan-Schrei und seine Frau Jane – aufgehoben. Jeder war also mit Barkers Tarzan zufrieden – außer dem Star selbst. Sie war ihm schauspielerisch zu anspruchslos. So war er froh, natürlich in dem Wissen, dass er ohne Tarzan wohl nie zu dem Starstatus gekommen wäre, 1953 die Rolle ad acta legen zu können.
Privat brachte Lex in seiner Tarzan-Zeit zwei Scheidungen hinter sich. !950 trennte er sich nach über achtjähriger Ehe, der längsten die er überhaupt eingegangen war, von Constance und heiratete nicht einmal ein halbes Jahr später die attraktive Schauspielerin Arlene Dahl. Die Dahl, Jahrgang 1928, war gerade auf dem Weg zum großen Star und spielte Hauptrollen in A-Western neben Charlton Heston und Robert Taylor. Leider kam es zu keinem Zusammenspiel der Eheleute, die sich nach nur eineinhalbjähriger Ehe, Lex' kürzester, scheiden ließen. Arlehne Dahl heiratete später Fernando Lamas und ist die Mutter des heute bekannten Actionhelden Lorenzo Lamas (Renegade).
B-Star
Nach seinem Ausstieg aus der Tarzan-Reihe blieben wirklich gute Filmangebote leider aus. Lex wurde einer der vielen amerikanischen B-Stars bei Universal, die ihr tadelloses Aussehen in actionbetonten, aber billig gemachten, vor allem aber auswechselbaren Streifen, zur Schau stellten. Bevorzugt wurde er in Western, wie "Duell mit dem Teufel" (1955) und Krimis. Wie "Schonungslos" (1956) eingesetzt, die allesamt schwungvolle Unterhaltung bieten. Ein merkliches Nachlassen der Qualität ist bei den drei Filmen, die Lex für die kleine Produktionsfirma Bel-Air drehte, zu vermerken. Trotzdem war ein interessanter Film darunter: In "Rebell der roten Berge" (1957) tritt er nämlich als Apachenhäuptling in Winnetou-Manier auf. Außer dieser Rolle war noch sein Captain Hodges in "Donnernde Hufe" (1953) außergewöhnlich. Hier spielte er nämlich einen ehrgeizigen, unsympathisch und unreif agierenden Offizier. Ansonsten war er der wenig differenzierte, über das böse triumphierende Actionheld. So auch in seinem letzten Film aus dieser Zeit: "Lederstrumpf – der Wildtöter" (1957), in dem er schon fast wie später als Old Shatterhand aussieht und einen ebenso mystisch-erhabenen Charakter verkörpert (Wahrscheinlich seine bis dato beste Rolle).
Zu dieser Zeit wurde Lex in Deutschland bereits des öfteren von Gert Günter Hoffmann synchronisiert. Er begleitet mit seiner perfekt angepassten Stimme den Star auch in den meisten seiner späteren Rollen und hat sicher auch einen gewissen Anteil an dem Erfolg, den Barker in den May-Filmen hatte. Lex Barkers Zeit als B-Star ist identisch mit der Zeit, in der er mit seiner dritten Ehefrau, dem großen Hollywoodstar Lana Turner (Jahrgang 1921), verheiratet war. Boulevardblätter auf der ganzen Welt widmeten dieser Verbindung immer wieder Schlagzeilen und Lex bekam durch sie mehr Publicity als durch seine Filme. Trotz geplanter Projekte kam es aber auch hier zu keinem Zusammenspiel der Eheleute. Das gemeinsame Glück der beiden wurde stark getrübt durch den Vorwurf einer in die Ehe mitgebrachten Tochter Lanas, Lex habe sie vergewaltigt.
Europa
Von den Rollen in seiner Heimat schwer enttäuscht und privat ohne Bindung ging Lex, wie viele seiner Hollywood-B-Kollegen, nachdem er bereits 1953 zwei Abenteuer-Filme in Italien gedreht hatte, nach Europa und bekam dort eine Flut von Rollen angeboten. Er sollte nie wieder einen Film in Hollywood drehen. Er siedelte nach Rom und drehte in Cinecitta Kostümfilme am laufenden Band. Diese Streifen waren zwar nicht besser als die amerikanischen B-Pictures, fanden aber ein größeres und treueres Publikum und brachten Lex mehr Popularität. Er wurde nämlich einer der favorisierten Mantel-und Degen-Helden und spielten Korsaren, Piraten, Ritter und sogar Robin Hood in insgesamt neun Kostümschinken unterschiedlichen Aufwandes. Schauspielerisch am interessantesten ist sicherlich "Der Sohn des roten Korsaren" (1959). Hier steht Lex auf der Seite der Bösen und spielt den diabolisch wirkenden, bärtigen Piratenkapitän Drakut der zum Schluss seinen Verstand verliert.
Daneben trat er auch in zeitgenössischen Rollen in anderen europäischen Produktionsländern auf, so in "The Strange Awakening" (1958) oder "Mission en Marruecos" (1959), die beide interessante Rollen für ihn bereithalten, in Deutschland jedoch noch nie zu sehen waren. Auch 1960 brauchte er einmal kein Kostüm: Er spielte nämlich in Frederico Fellinis als Meisterwerk gelobtes "Das süße Leben" den ruppigen Verlobten von Anita Ekberg. Seine Rolle ist eher klein, Lex vermag sie jedoch mit ungekannter schauspielerischer Intensität auszufüllen. Ironischerweise bot er auch später seine besten schauspielerischen Leistungen in Nebenrollen. 1961 kam er dann nach Deutschland um in "Frauenarzt Dr. Sibelius" und zwei "Mabuse"-Krimis die Hauptrolle zu verkörpern. Auch hier kam der blonde Hüne gut an und so ist es kein Wunder, dass ihm Produzent Horst Wendlandt in seiner großen Produktion des Karl-May-Buches "Der Schatz im Silbersee" (1962), die Rolle des Old Shatterhand anbot.
Lex' vierte Frau, die Schweizerin Irene Labhardt, die er 1959 geheiratet hatte, redete ihm zu die Rolle anzunehmen. Die Ehe mit Irene, die allgemein als "die Liebe seines Lebens" bezeichnet wird und ihm sein drittes Kind, Sohn Christopher, schenkte, endete tragisch. An Leukämie erkrankt brachte sie sich schon 1962 26-jährig selber um.
Karl May
Lex' weiterer Weg ist Filmgeschichte: "Der Schatz im Silbersee" wurde einer der erfolgreichsten Streifen des deutschen Filmgeschehens, löste die Karl-May-Welle (und im folgenden die Euro-Western und Italo-Western-Welle aus) und machte Lex Barker im deutschsprachigen Raum unsterblich. Die Fans liebten sein souverän-zurückhaltendes Spiel. Tatsächlich schien er wie für die Rolle geboren zu sein. Eventuell mangelnde Mimik war in diesem Fall unaufdringlich-würdevoll, sein germanisches Aussehen passte perfekt und die Tatsache, dass er Amerikaner und "Mann von Welt" war verstärkte den Eindruck des Vielgereisten. Außerdem sah er immer noch blendend aus und bekam den Spitznamen "Sexy-Lexy". Auch bei der Kritik kamen Barker und die folgenden Winnetou-Filme gut an, ganz besonders die Winnetou-Trilogie. Siebenmal verkörperte Lex insgesamt den Old Shatterhand, wobei der Franzose Pierre Brice als Blutsbruder Winnetou und kongenialer Partner stets an seiner Seite war. Innerhalb der May-Reihe setzte man Barker nicht nur als Old Shatterhand ein. Zunächst besetzte man ihn, fast ebenso erfolgreich, als Kara Ben Nemsi (auch in den Büchern mit der Person des Shatterhand identisch) in "Der Schut" (1964). Im Jahr darauf folgten zwei weitere Orient-Abenteuer und eine dritte May-Rolle: Die des Dr. Karl Sternau in der Doppelproduktion "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes". Lex' Popularität als May-Held sollte ihn 1965 außerdem auch noch zu einem Schlagerstar machen. Der geniale Komponist der Winnetou-Filmmusik, Martin Boettcher, schrieb Lex eine Westernballade auf den Leib, die als Single "Mädchen in Samt und Seide/Ich bin morgen auf dem Weg zu dir" veröffentlicht wurde. Mangelnder Erfolg, fehlende Musikalität des Protagonisten und dessen große Nervosität verhinderten eine Fortsetzung von Lex' Musikkarriere. So bleibt uns nur die eine Single als musikalischer Kuriosität und als Zeugnis von Barkers eindrucksvoller Baßstimme erhalten.
Die letzten Filme
Natürlich spielte Lex auch außerhalb der May-Reihe. Das führte zu einer Reihe unterschiedlicher Filme in seinen angestammten Genres, dem Abenteuer-Actionfilm (als gelungenes Beispiel "Die Verdammten der blauen Berge", 1964) und dem Western (in "Wer kennt Johnny R.", 1966 darf er als geläuteter Gangster sogar einmal einen Filmtod sterben). Eine Novität stellen die beiden unterschiedlichen Streifen "Frühstück im Doppelbett" (deutsches Lustspiel von 1963 mit O.W. Fischer und Liselotte Pulver) und "Siebenmal lockt das Weib" (in Europa gedrehter Episodenfilm von 1967 mit Shirley MacLaine) dar. Lex konnte sich in diesen Filmen schauspielerisch in Nebenrollen austoben und zugleich sein beträchtliches komödiantisches Talent zur Schau stellen. Interessant auch der surrealistische, spanische Streifen "Aoom" (1970), der in Deutschland nicht gezeigt wurde, indem Lex wirklich als Schauspieler und nicht als Held oder Star gefordert ist. Trotz dieser stattlichen Anzahl an interessanten Produktionen, gilt: Mit dem Ende der May-Serie ("Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten", 1968) war es auch um Lex' Filmkarriere geschehen. Die letzte ihm angebotene Rolle war eher beschämend: Die Nebenfigur eines Flugkapitän in Liebesnöten in der Roy-Black-Schnulze "Wenn du bei mir bist" (1970).
Das Ende
Lex verbrachte die letzten Jahre seines Lebens hauptsächlich in seiner spanischen Villa und an Bord seiner Jachten. (Peter Pan I und II). Gekennzeichnet sind sie durch dauernde Streitereien mit seiner fünften Frau, der jungen spanischen Ex-Schönheitskönigin Tita Cervera und seinem Bestreben in den USA noch einmal Filmrollen zu erlangen. Letzteres gelang ihm nur in Form von Gastauftritten beliebter Fernsehserien, wie "Ihr Auftritt Al Mundy" (1969)und "FBI" (1971). Auch in diesen kurzen Auftritten zeigte er, dass als Schauspieler mehr in ihm steckte als ihm allgemein zugetraut wurde. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass Lex als er am11. Mai 1973 in seiner Heimat New York auf offener Straße einem Herzinfarkt erlag, nicht einmal erkannt wurde und erst anhand eines Armbandes identifiziert werden konnte. Der ehemals gefeierte Mann der Gesellschaft starb einsam und vergessen. Er wurde nur 54 Jahre alt. Die Fernseh-Renaissance der Tarzan und Karl-May-Filme machte ihn allerdings zumindest im deutschen Sprachraum endgültig unsterblich. Lex Barkers Karriere retrospektiv betrachtet, stellt man fest, dass er zwar das Schicksal der meisten Stars seines Aussehens und seiner Statur teilen musste, nämlich seine schauspielerischen Fähigkeiten nie voll ausschöpfen zu dürfen, er sich in den vielen Perioden seiner Karriere indes immer bestens bewährt hat.
