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Tony Curtis – Herzensbrecher und Leichtfuß

Kindheit und Jugend

Geboren wurde der spätere Weltstar am 3. Juni 1925 in sehr bescheidenen Verhältnissen. Seine Eltern waren jüdisch-ungarische Einwanderer und wohnten in der Bronx in New York. Bernard Schwartz, so Tonys bürgerlicher Name, atmete die raue Luft der Straßengangs in der Bronx und kam schon 1943 zur Navy. In den Marine-Ausbildungsstätten sah er zum ersten Mal etwas anderes als New York, tat sich als erstklassiger Sportler hervor und entdeckte, zusammen mit seinen Kameraden, die Liebe zum anderen Geschlecht. Die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges verbrachte der mittlerweile 20-jährige auf Guam, ohne jedoch in echte Kämpfe verwickelt zu werden. Nach seiner Rückkehr erlernte er ab 1946 im "Dramatic Workshop" in New York unter Erwin Piscator, der einst schon mit Bertolt Brecht zusammengearbeitet hatte, die Schauspielerei. Zu seinen Mitstudenten und Freunden zählten die etwa Gleichaltrigen Walter Matthau und Harry Belafonte. Als er dann auf der Bühne die Titelfigur in "Golden Boy" verkörperte, die zehn Jahre zuvor das Trittbrett für William Holdens Starkarriere gewesen war, wurde er von einem Universal-Agent entdeckt und unter Vertrag genommen.

Nachwuchstalent bei Universal

Ab 1949 gehörte Bernie Schwartz also zu jener legendären Nachwuchsdarstellerriege, die von Universal von der Pike auf zu Filmstars getrimmt wurden. Und genauso wie aus seinem Kollegen bzw. Konkurrenten Roy Scherer Rock Hudson wurde, verpasste man auch Bernie zuallererst einen neuen Namen: Man "taufte" ihn auf Anthony Curtis. In diesen Jahren, in denen Tony (das "Anthony" wurde bald fallengelassen) Reiten, Schießen, Tanzen, Singen, Fechten etc. erlernte, prägte sich bereits sein Sinn für die Weiblichkeit voll aus. Einem Harold Robbins-Romanhelden gleich, schätzt er die Zahl seiner Liebespartnerinnen auf 1000. Auch die junge Marilyn Monroe soll darunter gewesen sein. Für Tony und die anderen feschen Burschen der Universal muss das eine wirkliche "Traum(fabriks)zeit" gewesen sein. Das heutige Hollywood hat mit diesen Jahren absolut nichts mehr gemein. Nur als Überprüfung des bereits Erlernten setzte man die Nachwuchsschauspieler hin und wieder in verschiedenen Filmen ein. So war der Burt Lancaster-Streifen "Gewagtes Alibi" (1949) Curtis' Filmdebüt. Danach trat er unter anderem in "Kokain" (mit seinem Kumpel Howard Duff) und den beiden Audie Murphy-Western "Sierra" und "Reiter ohne Gnade" auf und traf in "I was a shoplifter" und "Winchester 73", dem legendären Erstlingswerk des berühmten James Stewart/Anthony Mann-Zykluses, auf seinen Kollegen Rock Hudson. Obwohl das alles nur Kleinrollen waren bildete sich bereits 1950 der erste Tony Curtis-Fanclub und seine Publicity-Fotos überströmten schon die Teenagermagazine.

Matinee-Idol

Nicht zuletzt der starken Reaktionen des Publikums wegen gab man Tony dann schon früh seine ersten Hauptrollen. Anfangs noch als heißblütiger Araber mit verträumtem Schlafzimmerblick in zwei kunterbunten Orient-Abenteuern mit Piper Laurie eingesetzt ("Die Diebe von Marschan" und "Der Sohn von Ali Baba"), verbesserte er sich schauspielerisch schnell und hatte bis zum Ende dieser Karrierephase im Jahr 1957 in insgesamt 16 ganz verschiedenen Universal-Produktionen die Hauptrolle inne. Zusätzlich wurde er noch für zwei Hauptrollen an andere Produktionsfirmen verliehen, was seinen Marktwert bestätigt. Vor seiner "Starwerdung" feierte er noch Hochzeit mit einer wahren Traumfrau: die zwei Jahre jüngere, aufstrebende Schauspielerin Janet Leigh, die bereits zweimal verheiratet gewesen war, wurde seine erste Frau. Die Ehe hielt elf Jahre und brachte zwei Kinder – Kelly und den späteren Weltstar Jamie Lee – hervor. Sie galt als glücklich, obwohl beide wohl kaum treu gewesen waren. Janet spielte auch in mehreren Filmen ihres Ehemannes, der in den gut gestrickten Matinee-Filmen, die sich meist auf dem Grat zwischen A- und B-Pictures bewegten, die Gelegenheit bekam, Erfahrungen zu sammeln, Talente zu entwickeln und diese schließlich zu entfalten. Man kann diese 18 Filme als Grundlage für Tonys spätere Glanzdarstellungen in den verschiedensten Genres ansehen. Besonders erwähnenswert erscheinen: "Houdini – Der König des Variete" (1953) von George Marshall, in dem er den berühmten Zauber-und Entfesslungskünstler überzeugend porträtiert und "Brückenkopf X" (1954), ein unpathetischer, realistischer Kriegsfilm mit Tony in der Rolle eines zwielichtigen GI's im Dschungel des Zweiten Weltkriegs. "Der eiserne Ritter von Fallworth" (1954) von Rudolph Maté mit dem Tony vier dieser Filme drehte, ein aufwendiges, jugendtümliches Ritterabenteuer, in dem Curtis wieder seine Janet in die Arme schließen darf. "Drei Matrosen in Paris" (1954), ein lupenreines Musical in dem Tony in mehreren Nummern in bester Gene Kelly-Manier tanzt und singt. "Seine letzte Chance" (1955) in dem er, parallel zu seiner eigenen Jugend in Straßenbandenkämpfen der 30-er Jahre verwickelt ist. "Der Schläger von Chicago" (1955) ein realistisches, engagiertes Boxerdrama, besser gelungen als sein erster Boxerstreifen "Sein großer Kampf", in dem er vor allem auch physisch eine gute Figur macht. "Vom Teufel geritten" (1956) von Mate, ein spannender Western, der vor Augen führt, dass Tony dieses Genre viel zu selten in Anspruch genommen hat. "Der Tod war schneller" (1957), ein atmosphärisch dichter, spannend erzählter Kriminalfilm und schließlich "Mr. Cory" (1957) von Blake Edwards, der Höhepunkt dieser ersten Schaffensperiode als Hauptdarsteller, in dem er seine Lieblingsrolle, die des aufstrebenden Ehrgeizlings, verkörpert.

Der Welt liebster Filmstar

Tony war nun über 30 Jahre alt und sein Aussehen war zwar durchaus nicht mehr jugendlich, aber noch überaus attraktiv. Außerdem wollte er sich unbedingt als ernsthafter Schauspieler präsentieren, denn bisher war er eher eine Art erfolgreicher Entertainer gewesen. Es war also an der Zeit, Veränderungen herbeizuführen. Den ersten Schritt dazu hatte Tony bereits 1956 mit dem Zirkusfilm "Trapez" von Carol Reed unternommen, in dem er sich zwar Produzent und Hauptdarsteller Burt Lancaster unterordnen musste, der schauspielerisch jedoch mehr von ihm verlangte und außerdem an ein größeres Publikum gerichtet war als seine üblichen Matineestreifen. Burt und Tony verstanden sich gut, führten große artistische Leistungen selbst durch und so gab Lancaster Tonys Flehen nach, ihm die Rolle des Sidney Falco in dem von Lancaster völlig gegen die Normen produzierten Meisterwerk "Dein Schicksal in meiner Hand" (1957). In diesem kompromisslos realistischen, wegen seiner unüblichen Härte und Erzählweise zunächst mäßig erfolgreichen, später zum Kultfilm avancierten, düsteren Streifen brilliert Tony als fieser, skrupelloser, kriecherischer Presseagent, der sich im Spiel um die Macht schließlich gegen den noch fieseren Starjournalisten Lancaster wendet und dabei untergeht.

Durch seine entsprechend gewürdigte Leistung in diesem Film wurde Tony nun auch von den Produzenten und Regisseuren in die Top-Riege der mächtig verdienenden führenden A-Stars, zu denen er, gemessen an seiner Popularität beim Publikum, schon lange zählen hätte müssen. Die damals bei den Golden Globes verliehene Auszeichnung des "World Film Favorite" ging dann auch 1957 und 1960 an Tony Curtis. Diese neue Schaffensperiode, die sich aus gleichermaßen großartigen Dramen und Komödien zusammensetzt, beinhaltet die Eigenart, dass Tony auffällig oft mit anderen, gleichwertigen Stars zusammenarbeitet und er sich für eine gute Rolle des öfteren in den Credits unterordnete. Das erklärt sich wohl auch durch die ungewöhnlich hohe Anzahl an Hollywoodkollegen, die jahrzehntelang zu den engsten Freunden des unkomplizierten Tony zählten: Burt Lancaster, Kirk Douglas, Frank Sinatra, Dean Martin, Jerry Lewis, Jack Lemmon, Walter Matthau, Sidney Poitier und vor allem sein Vorbild Cary Grant. Mit jedem dieser Stars spielte er auch in dem einen oder anderen Film. So auch als vollbärtiger Sklave Eric in dem atemberaubenden Abenteuerklassiker "Die Wikinger" (1958) von Richard Fleischer zum ersten Mal an der Seite von Kirk Douglas. Für die Niederlage in dem entscheidenden Schlusskampf der beiden rächte Kirk sich zwei Jahre später in seinem Lebenswerk als Produzent, "Spartacus" (1960) von Stanley Kubrick. Nun war er es nämlich, der Tony erschlug.

Doch bis es soweit war, interpretierte Tony noch seine beiden wohl erfolgreichsten und besten Parts überhaupt und konsequenterweise war einer davon hochdramatisch der andere urkomisch: 1958 den zynischen, rassistischen Verbrecher Joker in "Flucht in Ketten" von Stanley Kramer, dieser einzigartigen Kombination aus hartem Rasenmelodram und Abenteuerreißer. Auffällig ist der Ausdruck von Brutalität, Verzweiflung und Hass in Tonys Gesicht (das zusätzlich mit einer falschen Nase versehen war), der ihn um gut zehn Jahre älter erscheinen ließ. (Tatsächlich war er erst 32.) Er wurde für die Rolle zum ersten und einzigen Mal für einen Oscar vorgeschlagen, den er sich wohl wirklich verdient hätte. Sein Gegenpart Sidney Poitier war übrigens ebenfalls für den besten Hauptdarsteller nominiert – und bekam ihn ebenso wenig. Für "The Defiant Ones" und "The Vikings" wäre Tony durchaus eines Oscars würdig gewesen, doch 1958 war das Jahr des Monumentalklassikers "Ben Hur", der alles abräumte.

1959 den feigen, sich in Frauenkleidern versteckenden Don Juan-Verschnitt Joe in der wahrscheinlich besten Filmkomödie aller Zeiten, "Manche mögens heiß", zu der natürlich auch Autor und Regisseur Billy Wilder und die Co-Stars Marilyn Monroe und Jack Lemmon ihren Beitrag lieferten. Über MM soll Tony, frustriert über die ungeheuer langwierigen Dreharbeiten mit dem launenhaften Sexsymbol, einmal gesagt haben: "Liebesszenen mit Marilyn sind dasselbe, als ob man Hitler küssen würde." Später bedauerte er diesen Ausspruch. Diese beiden Rollen bezeugen die Vielseitigkeit, zu der der Mime fähig war. Der Reigen seiner kommenden Charakter- und Lustspielrollen bestätige diese noch: Zunächst spielte er den takt- und gefühllosen Musiker und Gl in "Rivalen" (1958), der seinem Freund Frank Sinatra die Frau ausspannt, diese dann fallen lässt, als er erfährt, dass sie eigentlich schwarz ist und seine Sünden schließlich auf dem Schlachtfeld büßt.

Es folgte ein weiterer, wenn von allen anderen auch gänzlich differenzierter Kriegsfilm: "Der Außenseiter" (1961), der Curtis in der authentischen Rolle des zunächst schüchternen und naiven Indianer Ira Hayes zeigt, der mehr durch Zufall zum Kriegshelden wird und am Rummel um seine Person zu Grunde geht. Die, in der ursprünglichen deutschen Fassung herausgeschnittene, Sterbeszene Iras gehört sicher zum besten, was Curtis in seiner langen Karriere geboten hat. Ein prächtiger Film ist auch das aufwendige Historiendrama "Taras Bulba" (1962), in dem Tony als der mutige aber leichtfertige Sohn des Titelhelden, eines Koskakenführers, zum Schluss in einer maßlos ergreifenden Szene von Taras getötet werden muss. Der Film zeigt auch eindrucksvoll den Starstatus, den Tony damals genoss. Yul Brynner, der selbst auf dem Höhepunkt seiner Karriere stand, musste, obwohl er die Titelrolle verkörperte, sowohl im Vorspann als auch in der Präsenz auf der Leinwand Tony den ersten Platz überlassen. Gleichzeitig entwickelte Tony aber auch geradezu geniales komödiantisches Talent und ein Image als "Bruder Leichtfuß", dass teilweise ja schon seine Matineerollen geprägt hatte. Tony stand in einer langen Reihe witziger Sex-Comedys in direkter Konkurrenz zum ungekrönten König dieses 60-er Jahre-Genres, Rock Hudson. Bis weit in das Jahrzehnt hinein folgte Hit auf Hit. Unmittelbar nach dem Geniestreich "Some like it hot" erfüllte sich für Curtis ein Traum. Er durfte im Team mit jenem Mann spielen, den er von Jugend an verehrt hatte und den er im Billy-Wilder-Hit gerade so erfolgreich parodiert hatte: Mit Cary Grant in "Unternehmen Petticoat", das später sogar eine Fernsehserie inspirierte. In "Wer war die Dame" (1960) agierten Tony und seine Frau Janet zum fünften und letzten Mal als Starduo. Zu ihnen gesellte sich ihr Freund Dean Martin und zusammen ergeben sie wohl eines der fulminantesten Trios der Lustspielgeschichte. Noch im selben Jahr verkörperte Tony dann jene Rolle, die seinen vielen Talenten wohl am ehesten gerecht wurde, die wie für ihn geschaffen zu sein scheint. Als liebenswerter Tausendsassa Waldo Demara tritt er in "Ein charmanter Hochstapler" unter anderem als Soldat, Arzt, Mönch, Gefängnisdirektor und Schullehrer auf.

Tragikomisch war dann ein Film, der ihn wieder mit einem anderen Weltstar, nämlich Gregory Peck, zusammenführte: "Captain Newman (1963), in der er einer Figur wie der des Leutnant Holden aus "Petticoat" noch weitere Nuancen abringt. Den, neben "Some like it hot" und "The Great Imposter", absoluten Höhepunkt in Curtis' komödiantischem Schaffen markiert aber "Boeing Boeing" (1965). In diesem mit unvergleichlichem Charme und irrsinnigem Witz versehenen Kultfilm rast Tony von einem nervösen Anfall (bzw. Lacher) zum nächsten. Die Idealbesetzungen Jerry Lewis und Thelma Ritter sowie die optimale Musikuntermalung tun ihr übriges. Danach setzten die Produzenten Tony in puren Klamaukfilmen ein, die unterschiedlich gelungen waren und von denen "...und ledige Mädchen" (1964, mit Henry Fonda), "Das große Rennen rund um die Welt" (1965, mit Jack Lemmon) und "Die nackten Tatsachen" (1967) herausragten. Daneben fand er noch Zeit für so manchen witzigen Cameo-Auftritt, um wieder einem seiner vielen Hollywoodkumpel einen Gefallen zu tun. Nach all diesen Burlesken stand Tony wohl der Sinn nach einem harten Drama. Und er hätte auch nichts besseres wählen können als die im Dokumentarstil pedantisch genau verfilmte Geschichte von Carlo di Palma, den "Frauenmörder von Boston" (1968). Seine Darstellung in diesem Film, für den er sich wie schon bei "Der Außenseiter" und "Flucht in Ketten" sein vielbewundertes Gesicht entstellen ließ, zeigt Curtis auf dem absoluten Höhepunkt seiner Kunst und brachte ihm viel Anerkennung und eine Golden Globe Nominierung ein.

Der Abstieg

Doch leider war "The Boston Strangler" in gewisser Hinsicht auch das Ende von Tonys Kinokarriere. Alles, was er von da an anfasste, war halbherzig. Ich möchte daher auf die vielen Haupt- und Nebenrollen, in denen er seither erschien (Tony bringt es mittlerweile auf über Hundert Kinoauftritte) gar nicht näher eingehen. Die Titelpartie in der Mafiabiographie "Lepke" (1974) ist mit Sicherheit sein größter Wurf in der späteren Zeit. Tony Curtis, eine Galionsfigur der 50er-Jahre, konnte im "Neuen Hollywood" der 70er und 80er einfach nicht Fuß fassen. Ein Hauptgrund dafür dürfte das altersbedingte und rapide Nachlassen seiner Attraktivität gewesen sein, das spätestens mit 50 Jahren einsetzte.

Der plötzliche Niedergang seiner Karriere löste eine lange Jahre anhaltende unglückliche Phase in Tonys, bisher von ausgesprochenem Glück geprägten Leben aus. Nach der elf Jahre anhaltenden Ehe mit Janet Leigh stürzte sich Tony rasch hintereinander in zwei weiter Ehen. Von 1963 bis 1968 war er mit der blutjungen deutschen Schauspielerin Christine Kaufmann, die er bei den Dreharbeiten von "Taras Bulba" kennengelernt hatte. Diese "Schauspielerehe" funktionierte nicht mehr so gut wie die erste und man ließ sich trotz zweier gemeinsamer Kinder – den Töchtern Alexandra und Allegra – nach vielen Streitereien scheiden. Vier Tage später heiratete Curtis das Modell Leslie Allen, mit der er noch zwei Kinder hatte, die Söhne Nicholas und Benjamin. 1982 ließen sich die beiden scheiden, auch Tonys vierte Ehe mit Lisa Deutsch (von 1993 -1994) war kein glückliches Ende vergönnt. Im Gegensatz zu seinen Ehefrauen war das Verhältnis Tonys zu seinen sechs Kindern immer sehr herzlich und er verbrachte viel Zeit mit ihnen. Um so tiefer muss es ihn getroffen haben, als sein älterer Sohn Nicholas 1994 im Alter von 23 Jahren an einem Herzanfall starb. Bei all diesen privaten Tiefschlägen ist es kein Wunder, dass Tony seine Depressionen in Alkohol und Drogen aufzulösen suchte. Er wurde schließlich schwer kokainabhängig und machte etliche Entziehungskuren.

Künstlerische Betätigung in dieser schweren Zeit: Die in Europa überaus erfolgreiche Fernsehserie "Die Zwei"(1971-1973), die Tony zwar gealtert, jedoch immer noch sehr attraktiv und in erfreulicher Spiellaune zeigt, und die Entdeckung seiner Liebe zur Malerei und Schriftstellerei.

Zukunftsperspektiven

Wahrscheinlich hat Tony die Beschäftigung mit den "schönen Künsten" das Leben gerettet. Er hat seine "Galeerenjahre" mittlerweile überstanden und 1998 noch ein fünftes Mal, die 45 Jahre jüngere Jill Vandenberg, geheiratet. Heute neigt Tony zu einer gewissen Lächerlichkeit als Relikt einer vergangenen Zeit, das nicht einsehen will, das es alt ist. Facelifting, Schlagzeilen als alter Casanova oder bizarre Outfits sollen den neuen, fröhlichen Tony, der die schweren Zeiten vergessen hat, repräsentieren. Seine immer noch vielen Fans werden ihm die manchmal traurig machenden Auftritte wohl gern verzeihen, angesichts dessen, dass er sich scheinbar wieder wohl fühlt.

Allen Kinofreunden bleibt Tony Curtis ohnehin stets in Erinnerung als einer der letzten Vertreter des Studiosystems in Hollywood, der sich mit traumhaftem Aussehen vom Jugendidol und Mädchenschwarm mit enormen Willen in die vorderste Starriege spielte; als versierter Schauspieler und Komödiant; als Bruder Leichtfuß – im Film und im wirklichen Leben – dessen Lebensstil wohl jedermann schon die eine oder andere nostalgische Träne nachgeweint hat.